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16:14 | 24. März 2009 | # |
“‘Heiligung bedeutet Selbstaufgabe!’ – Nein, Heiligung bedeutet Hingabe! Aber was willst du Gott hingeben, wenn du doch meinst, dich zuvor selbst aufgeben zu müssen?”
Autor: Eckstein Hans-Joachim
Simon R. 19:50 | 24. März 2009 | #
Mhh… Ich glaub ich verstehe was Eckstein sagen will, aber ist Heiligung nicht mehr als blosse Hingabe? Hat es nicht doch auch etwas mit Selbstaufgabe im Sinn von Gal 2,20 zu tun? *Überleg*
Reiner B. 10:29 | 29. März 2009 | #
Heiligung bedeutet (vom AT her gesehen) nicht mehr und nicht weniger als “Zugehörigkeit”. “heilig” ist ein besitzanzeigendes Wort. Damit ist für mich klar: es hat mehr mit Hingabe zu tun.
Aber: Ist “Hingabe” eigentlich ein biblischer Begriff oder wieder nur ein pietistisch aufgeladener Begriff?
“Heilig” hat einen juristischen / indikativischen Aspekt: Ich gehöre Gott. Punkt. (1. Kor 1,130)
Und es hat einen prozeßhaften Aspekt: Jagt nach der Heiligung – mein Leben entspricht mehr und mehr dem indikativischen Sein. Das hat mit Lebensveränderung zu tun und mit einem STARKEN WILLEN, das zu WOLLEN, was Gott will. Keine Ahnung, was das mit “Selbstaufgabe” zu tun haben soll …
Simon R. 12:52 | 29. März 2009 | #
Das Zitat ist in meinen Augen nur dann richtig, wenn ich es in Bezug auf die Heiligung losgelöst von der Rechtfertigung anschaue. (Wobei ich der Meinung bin, dass man diese beiden Sachen nie trennen sollte.)
Denn die Rechtfertigung annehmen heisst voll und ganz vor Gott zu kapitulieren. Erst danach, quasi als zweiter Schritt, kommt die Heiligung.
Simon R. 14:34 | 29. März 2009 | #
Ok jetzt hast du dich gegen ein Wort ausgesprochen, und sonst?
Simon R. 14:47 | 29. März 2009 | #
Rechtfertigung ist mehr als sich nur Schuldig bekennen. Es bekennen sich viele Menschen schuldig, aber längst nicht alle davon sind gerechtfertigt. Rechtfertigung geht über das von Gott sich schuldig bekennen hinaus. Wir müssen uns bewusst Jesus zuwenden (Herrschaftswechsel) und dieser bewusste Akt kommt einer Kapitulation gleich. Ich (mein Ego und mein Stolz) gehe vor Jesus auf die Knie und bekenne, dass ich es nicht kann. Obwohl ich Sünde in meinem Leben erkannt habe, kann ich sie in meinem Leben nicht vermeiden. Ich gebe auf es weiterhin auf eigene Faust zu versuchen und gestehe mir ein, dass ich Jesus voll und ganz brauche.
Reiner B. 14:27 | 29. März 2009 | #
Jetzt kommt noch “Kapitulation” ins Spiel, ein Wort, das ich so nicht in der Hl. Schrift finde.
Ich meine, von manchen wird das sehr schnell und allenfalls unscharf gebraucht. Was ist es, und was ist das nicht?
Ich meine, man darf diesen kriegerischen Begriff so nicht in diesen Zusammenhang hineintragen – wenn man ja logischerweise auch alle aus unserer Welt bekannten Implikationen ernstnimmt und mitdenkt.
Reiner B. 14:39 | 29. März 2009 | #
Für mich ist Rechtfertigung der juristische Aspekt, sozusagen: Freispruch – und in der Folge Zugang ins Neue Leben. Was hat das mit Kapitulation oder eben “Selbstaufgabe” zu tun?
“Rechtgefertigt” sein durch Begnadigung – ich kann da “Selbstaufgabe” auch nicht unterbringen …
Ja, ich bekenne mich schuldig, weil ich im Licht Gottes meine Schuld und mein vor Gott nicht Genügen können erkenne. Öhm, ja. Aber Selbstaufgabe?
Hat Petrus sich “selbst aufgegeben”, als er sagte: “Ich bin ein sündiger Mensch” …?
Simon R. 17:18 | 29. März 2009 | #
Aber um zu meiner ersten Frage zurück zukommen. Was meint den Paulus wenn er an die Galater schreibt: “Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.” (Gal 2,20)
Ist Paulus nicht durch Jesus in ihm zu dieser starken Persönlichkeit geworden?
Oder sprechen wir schon die ganze Zeit vom selben und nur sehr geschickt aneinander vorbei?
Reiner B. 16:38 | 29. März 2009 | #
Eben: Rechtfertigung ist der Freispruch!
Röm 8,31–37: (31)Was sollen wir noch weiter sagen? Gott ist auf unserer Seite, wer kann uns dann noch etwas anhaben?
(32)Er verschonte nicht einmal seinen eigenen Sohn, sondern ließ ihn für uns alle sterben. Wird er uns dann mit ihm nicht alles schenken?
(33)Niemand kann die Menschen anklagen, die Gott erwählt hat. Denn Gott selbst spricht sie frei.
(34)Niemand kann sie verurteilen. Jesus Christus ist ja für sie gestorben. Mehr noch: er ist vom Tod erweckt worden. Er sitzt an Gottes rechter Seite und tritt für uns ein.
(35)Kann uns dann noch etwas von Christus und seiner Liebe trennen? Etwa Leiden, Not, Verfolgung, Hunger, Entbehrung, Gefahr oder Tod?
(36)Denn es heißt ja: „Weil wir zu dir gehören, sind wir ständig in Todesgefahr. Wir werden angesehen wie Schafe, die man bedenkenlos abschlachten kann.“
(37)Nein, mitten in all dem triumphieren wir mit Hilfe dessen, der uns seine Liebe erwiesen hat.
Eben, ich merke, daß ich geistlich nicht mit Begrifflichkeiten wie “Selbstaufgabe”, “Kapitulation”, “Haß gegen sich selbst” (habe ich auch scon gehört) und so großgeworden bin, sondern vor allem im “triumphierenden” (V37! lobpreisenden) Sinn von Römer 8 – bis heute wohl DAS Leitkapitel meines Lebens.
Vielleicht ist das eben auch eine Sache der (geistlichen) Biographie, wie man Bibeltexte bzgl. Bekehrung etc. anschaut.
Natürlich hat Paulus anläßlich seiner Bekehrung ein falsches Streben und Ringen aufgegeben. Aber bzgl. dem Prozeß der Heiligung – und um das gehr es ja im Zitat – kann ich nicht wirklich was von Selbstaufgabe erkennen. Dazu begegnet mir Paulus einfach “viel zu stark”! So redet, handelt und schreibt nicht ein Mensch, der sich “selbst aufgegeben” hat, der “seinen Willen brechen” ließ, der “sich nichts zutrauen” würde etc. (das steckt ja alles, und noch mehr, in “Kapitulation” drin).
Reiner B. 20:37 | 29. März 2009 | #
Ein etwas klareres Verständnis entsteht hier (ausnahmsweise) durch HfA:
19: Durch das Gesetz nämlich war ich zum Tode verurteilt, und dieses Urteil ist tatsächlich an mir vollstreckt worden; das heißt, mein altes Leben ist beendet, damit ich jetzt ganz neu für Gott leben kann. Durch den Glauben erkenne ich, daß mein altes Leben mit Christus am Kreuz gestorben ist.
20: Jetzt habe ich ein neues Leben! Es wird nicht mehr von meinem alten Ich bestimmt, sondern von dem auferstandenen Christus, der in mir lebt. Mein Leben auf dieser Erde erhält seinen Sinn durch den Glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich in seiner Liebe für mich geopfert hat.
Vermutlich meinen wir beide sehr Ähnliches. Wenn die Rede wäre davon, das “egoistische, autonome Selbst aufzugeben” – das sehe ich auch so. Aber “Selbstaufgabe” so, wie es isoliert dasteht, das kann es nicht sein.
Eine starke Persönlichkeit war Paulus schon immer (siehe Saulus als Verfolger, Spitzentheologe schon vor seiner Bekehrung etc.)
Das “Neue” bei Paulus als Christ ist nach meiner Beobachtung, daß er jetzt seine Stärke, Seinen “Geist”, seine Zähigkeit IN DEN DIENST von JESUS stellt. Insofern gibt er etwas auf, nämlich seine Autonomie, seinen Kampf gegen Jesus, seinen Egoismus – aber er gibt doch nicht sein “Selbst”, oder seine Persönlichkeit auf! Aber er unterstellt sein Selbst dem HERRN.
Insofern schließe ich mich den Aussage von Eckstein voll an.