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09:40 | 23. Januar 2010 | # |
“[Ich bin für Ethik], aber Ethik ohne Moral. Moral hat immer das Element narzißtischer Befriedigung. Indem man sie herablassend anderen auferlegt. Was man besser weiß als der andere, ist gut für den anderen.”
Autor: Žižek Slavoj
Simon R. 22:04 | 24. Januar 2010 | #
Wie passt dann z.B.
1. Tim 5,141. Thess 5,14 zu obigem Zitat? Oder anders gefragt wo ist der Unterschied zwischen Moral und zurechtweisen? Also im Kontext der Bibel. Denn die Auslegung der Bibel ist für uns Menschen nicht stets eindeutig. Wo fängt das moralisieren an und wo ist es noch zurechtweisen?Reiner B. 22:28 | 24. Januar 2010 | #
Ja, da müßten vielleicht auch andere hier mal mitdenken, wenn sie wollen.
Ich meine, die reine veränderte Begrifflichkeit macht es nicht aus (auch zurechtweisen kann in einer destruktiven Weise erfolgen)
Ich verstehe nicht ganz, was 1. Tim 5,14 in diesem Zusammenhang bedeutet: »Ich will nun, daß jüngere ‹Witwen› heiraten, Kinder gebären, den Haushalt führen, dem Widersacher keinen Anlaß zur Schmähung geben.«
Ja, weil die Auslegung der Heiligen Schrift für uns nicht immer eindeutig ist, gibt es für mich auch einen graduellen Unterschied:
“Anweisungen” von Paulus sind für mich von einer ganz anderen (eben apostolischen) Verbindlichkeit, als wenn wir einander “zurechtweisen”.
Nach meinem Verständnis braucht es gute Absprachen unter uns und in unseren Beziehungen. Wenn mein Supervisor mir “an den Karren fährt”, dann ist das okay, denn ich will das und ich bin offen dafür, wir haben uns darauf verständigt. Aber ich bin auch von seiner Professionalität überzeugt.
Wenn allerdings sich jemand anderes sich “einfach so erdreistet”, mich zurechzuweisen, dann würde ich ihn erstmal einladen zu einer Tasse Kaffee, und dann will ich mit ihm ins Gespräch kommen. Ich bin ja schließlich nicht sein Untergebener.
Klar, moralines Auftreten müßte man mal versuchen zu beschreiben. Für mich sind es z.B. Menschen, über die Paulus sagt:
2 Denn die Menschen werden viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos,
3 lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, zuchtlos, wild, dem Guten feind,
4 Verräter, unbedacht, aufgeblasen. Sie lieben die Wollust mehr als Gott;
5 sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleugnen sie; solche Menschen meide!
6 Zu ihnen gehören auch die, die sich in die Häuser einschleichen und gewisse Frauen einfangen, die mit Sünden beladen sind und von mancherlei Begierden getrieben werden,
7 die immer auf neue Lehren aus sind und nie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können. (2. Tim 3,2–7)
Ich meine, daß hier ein Gesamtbild gezeichnet wird, wo man sehr sorgfältig hinschauen muß.
Diese Gedanken sind für mich aber nicht abgeschlossen…
Simon R. 23:10 | 24. Januar 2010 | #
Zur Bibelstelle, gemeint wäre 1. Thess 5,14. Sorry.
Reiner B. 23:26 | 24. Januar 2010 | #
Und vielleicht müßte man mal das sehr anregende Interview mit dem Autor lesen: http://dasmagazin.ch/index.php/die-perle-ist-immer-dreck
Jonathan B. 13:59 | 26. Januar 2010 | #
Der ist tatsächlich sehr anders, quer und daher anregend und erfrischend!
Ein unglaublicher Querkopf! Was soll man davon halten??
Das Zitat hat mit dem Boyd-Zitat vom 19.1. gemeinsam, dass beide den Finger auf unseren sündhaften Hang zum moralisieren legen. Korrektur, Kritik braucht es allerdings, aber vor allem dort, wo jemand sich einem unterordnet, wie du das sagst Reiner, Stichwort Mandat, und auch in der Selbstreflexion/Selbstprüfung. Alles andere ist glaub ich, und das lieben wir Menschen zutiefst, so wie es Zizek sagt einfach Selbstbefriedigung / Selbstliebe. Sich über einen anderen setzen zum Zweck der Selbstbehauptung und Selbstgerechtigkeit.