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  • 12:13 | 31. Januar 2010 | # | 1 Kommentar

    “Ich glaube, die Medien, Romane, Film, die Kunst allgemein haben uns in dieser Hinsicht fehlgeleitet, aus irgendeinem Grund glauben wir, Beziehungen müssten problemfrei sein – und zwar aus dem simplen Grund, weil eben wir die Protagonisten in ihnen sind. Dabei sind wir selbst es doch, mit all unseren Neurosen und Problemen, die das Unglück schaffen. Außerdem ist jeder Mensch gegenüber dem alltäglichen Wahnsinn seiner Mitmenschen relativ intolerant.”

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Kommentare

  • Jonathan B. 21:09 | 3. Februar 2010 | #

    Das ist sehr befreiend! Ich muss bei diesem Zitat an ein Interview mit dem bekannten Paartherapeuten Arnold Retzer denken, dass ich vor ein paar Monaten in der Weltwoche gelesen habe. Das Stichwort “Terror des Solls” ist mir dabei sehr hängengeblieben.
    Hier ein Ausschnitt aus dem Interview (Weltwoche Nr. 36.09):

    Weltwoche: Ihr Buch heisst „Lob der Vernunftehe“. Sind viele Eheleute unvernünftig?
    Retzer: Manche, ja; viele, nein. Ich frage die Paare, die zu mir kommen, jeweils: „Wie stellt ihr eure Probleme selbst her?“ Ich gehe nicht davon aus, dass die einfach so über einen kommen. Unvernünftig ist es etwa, sehr viele Erwartungen, Vorstellungen und Ziele in eine Ehe hineinzulegen. Damit erhöht sich die Möglichkeit des Scheiterns.
    Weltwoche: Welche Erwartungen?
    Retzer: Die Leute wollen beispielsweise glücklich werden. Das ist einer der Königswege, um unglücklich zu sein. Wobei: „Wollen“, ist zu harmlos formuliert. Die Leute glauben, sie sollten glücklich sein. Sie sollten die absolut erfüllende Sexualität haben, sie sollten den Partner richtig sehen, sie sollten auftauchende Probleme lösen.
    (…)
    Weltwoche: Sie schreiben, ein Rezept für eine gute Ehe sei, den Soll-Zustand auf das Niveau des Ist-Zustands herunterzuschrauben. Das hat etwas Resignatives.
    Retzer: Ich verwende den Begriff der „resignativen Reife“. Der Begriff Resignation hat in den letzten 200 Jahren eine Bedeutungswandel durchgemacht. Er kommt aus dem Lateinischen und bedetuet „zurückgeben“, „re-signare“, und meinte ein bestimmtes Amt zurückgeben oder niederlegen. Seit der Aufklärung und der Französischen Revolution steht der Fortschritt im Vordergrund. „Resignare“ tönte nach „sich dem Fortschritt in den Weg stellen“, und das ist etwas Negatives. Ich glaube, dass der Fortschritt, auch in der Ehe, begrenzt ist. Es ist eine Gefährdung der Lebensqualität, wenn man versucht, den Ist-Wert auf den Soll-Wert hochzufahren. Das kann überfordern und zu viel Energie verschlingen. Hier hilft es, die Einstellung zu ändern und aus dem Terror des Solls herauszukommen.

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