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14:02 | 5. Dezember 2011 | # |
“Das Gewissen ist der aus einer Tiefe jenseits des eigenen Willens und der eigenen Vernunft sich zu Gehör bringende Ruf der menschlichen Existenz zur Einheit mit sich selbst. Es erscheint als Anklage gegen die verlorene Einheit und als Warnung vor dem sich selbst Verlieren. Es ist primär nicht auf ein bestimmtes Tun, sondern auf ein bestimmtes Sein gerichtet. Es protestiert gegen ein Tun, das dieses Sein in der Einheit mit sich selbst gefährdet.”
Autor: Bonhoeffer Dietrich
Darius K. 14:11 | 5. Dezember 2011 | #
Das ist für Bonhoeffer aber lediglich die formale Bestimmung des Gewissens und damit ist die Fragestellung nach dem Gewissen und dem daraus folgenden (verantwortlichen) Handeln für ihn nicht abgeschlossen.
Jonathan B. 16:01 | 10. Dezember 2011 | #
Das ist die bisher schönste Umschreibung vom Gewissen, die mir bisher begegnet ist. Wirklich brillant, der gute Dietrich!
– Aber die Überwindung des Solls von Innen (oder von woher das Gewissen halt kommt) wird heute eben nicht als Verlust der Einheit mit sich selbst aufgefasst, sondern viel eher auf emanzipatorische Weise geradezu als Rückgewinnung der Einheit mit sich selbst gefeiert. Denn das Gewissen evoziert Spannungen, Zweigeteiltheit, hat gewissermassen schizophreniewirkenden Charakter wenn, und das ist ganz wichtig, wenn es nicht recht verstanden wird. Nämlich dann, wenn es gnadenlos und nicht als pädagogisches Konzept und Hilfsmittel im Kontext der Jüngerschaft verstanden wird. Denn ohne Nachfolge ist des Gewissen sinnlos und störend. Wenn wir nicht Jesus als Ebenbild Gottes als Ziel vor uns haben, in welches auch wir hineinwachsen sollen/dürfen, dann nervt das Gewissen einfach nur gewaltig.
Ich glaube, dass in unserer Zeit immer noch die Einheit mit sich selbst das bewusste oder unbewusste Ziel von jedem Menschen ist. Mindestens als Sehnsucht. Dem Gewissen wird heute bei dieser Zielverfolgung jedoch eher die Rolle des Spielverderbers zugeschrieben, weil es unerwünscht “anklagend” und “warnend” erscheint. Aktivitäten aus dem Inneren, die sehr tief im Kurs stehen. Die Vereinnahmung des Sollens durch das Wollen ist heute derart fortgeschritten, dass für viele Menschen in unseren Breitengraden Soll-Botschaften sehr befremdend ankommen. Dementsprechend “müssen” wir weicher predigen und die Imperative durch Konjunktive austauschen. Das ist alles andere als Kritik gemeint, ich habe es selber nicht geschafft Imperative von der Kanzel zu predigen