“Wenn der Hahn kräht, wird es Morgen. Wenn der Hahn nicht kräht, ist entweder der Morgen noch nicht da – oder mit dem Hahn stimmt etwas nicht. Ich habe den Eindruck, das mit den Hähnen und Hennen im Hühnerstall der christlichen Gemeinden heute eine Menge nicht stimmt. Sie bemerken den kommenden Morgen nicht. Sie treten nicht durchs Loch nach außen. Sie fliegen nicht auf Pfähle und Pfosten, um den Morgen anzukrähen und die Menschen im Dorf zu wecken, da es Tag wird.
Die einen hocken auf ihren Stangen und schlafen. Sie meinen, es müsse schon vor Anbruch des Morgens taghell sein, um Anlaß zu haben, die Stimme zu wetzen. Die anderen sind zwar wach, aber sie hocken nur da und putzen ihr Gefieder – als sei davon schon je ein Mensch wach geworden, um den Morgen zu begrüßen, daß ein Hahn oder Huhn im Stall seine Federn putzt. Und dann gibt es da welche, bei denen jedes Zeitgefühl für Abend und Morgen abhanden gekommen ist. Sie streiten nämlich auf der Stange um den besten Platz und hacken aufeinander los. Wer etwas von Hühnern kennt, der weiß, daß so etwas nur bei Anbruch der Nacht passiert, wo man sich einen guten Schlafplatz erkämpfen will. Wenn im Stall gegackert, geflattert und gehackt wird, bricht die Nacht herein – das weiß der Bauer und … legt sich schlafen. Vom Streit der Christen ist die Welt noch nie aufgewacht. Im Gegenteil, solcher Streit ist das untrüglichste Indiz dafür, daß kein Grund besteht, aufzumerken und sich auf die letzte Frist gefaßt zu machen. Um zu wissen, was das heißt, muß man begriffen haben, daß der Tag naht. Der Tag ist aber in der Bibel die Wiederkunft und Ankunft des H e r r n.
Christen, die aufstehen vom Schlaf, weil sie wissen, was die Stunde geschlagen hat, werden darüber schön. Sie krähen vor Freude, sie singen voller Lust, sie tun das Gebotene mit Leidenschaft, und sie beten voller Erwartung des Kommenden.”