“Es mag angebracht sein, an dieser Stelle auch auf den Zusammenhang von Rechtfertigung und Humor hinzuweisen. Bekanntlich gibt es ungezählte humorlose Menschen in der Welt. Sie bedeuten für ihre Umgebung eine schwer zu tragende Last. Der humorlose Mensch versteht keinen Spaß. Bei der kleinsten kritischen Bemerkung, die auf ihre Schwächen anspielt, selbst wenn es freudlich und gut gemeint geschieht, gerät er außer sich. Er kann nicht über sich selbst lachen. Stets fühlt er sich angegrieffen und geht alsbald zum Gegenangriff über. Wer als christlicher Beobachter Zeuge solcher gereizter Reaktionen wird, kann nur seufzen und bei sich denken: Oh, könntest du den rechtfertigenden Glauben verstehen und ergreifen, du würdest mit einem Schlag von deiner Humorlosigkeit erlöst sein! Die Rechtfertigung stellt uns auf einen weltüberlegenen Grund. Sie schenkt uns das uneingeschränkte Ja Gottes. Sie spricht uns eine Wehrhaftigkeit zu, die wir nicht selbst zu begründen und zu verteidigen brauchen. Wer dieses Ja Gottes über sein Leben vernommen hat, lernt mitlachen, ohne in Wut zu geraten, ohne Tränen zu vergießen über die bösen Mitmenschen, die einem das Leben vergällen. Darum sind gekränkte Pfarrer und beleidigte Christen (ach, und wie viele gibt es von dieser Sorte!) ein untrügliches Zeichen dafür, daß man die Rechtfertigung nicht begriffen hat, selbst wenn Mund und Feder davon überlaufen.”
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Simon R.
Autor: Köberle Adolf